Artikel über: Allgemeines

Grind auf den Färöern: Die Treibjagdsaison 2026 hat begonnen

Mit der ersten Treibjagd am 4. Mai 2026 setzt sich diese Praxis auch in diesem Jahr fort und erinnert daran, dass diese brutale Tradition bis heute anhält.


  • Was ist das Grind?

Jedes Jahr, insbesondere in den Sommermonaten, ziehen Gruppen von Grindwalen und anderen Delfinarten entlang der Küsten der Färöer. In dieser Zeit werden sie von färöischen Jägern unter Berufung auf Tradition gejagt und getötet.

 

Die Färöer liegen zwischen Island und England. Die Inselgruppe ist geografisch etwas abgelegen, gleichzeitig jedoch gut erreichbar und wirtschaftlich wohlhabend. Obwohl sie zum Königreich Dänemark gehören, sind sie von bestimmten europäischen Gesetzen ausgenommen.

 

Die Jagd wird „Grind“ oder Grindadráp (färöisch für „Grindwalfang“) genannt. Dabei wird in der Regel die gesamte Schule der Meerestiere getötet, die oft aus mehreren hundert Individuen besteht, darunter Jungtiere, trächtige Weibchen und ihre ungeborenen Jungen sowie Leittiere. Die sozialen Strukturen dieser Tiere sind hochkomplex, da es sich um besonders empfindsame und intelligente Tiere mit ausgeprägtem Sozialverhalten handelt.


  • Wie läuft das Grind ab?

Der gesamte Ablauf des Grinds – von der Verfolgung bis zum Töten – ist extrem brutal und kann sich über Stunden hinziehen. Die Tiere stehen dabei unter massivem Stress, während sie in flache Buchten getrieben werden. Dort wird ihnen mit einer speziellen Lanze das Rückenmark durchtrennt. Selbst bei korrekter Anwendung wird das Tier dabei lediglich gelähmt. Es kann sich nicht mehr wehren und verblutet anschließend langsam.

 

Diese Praxis wird bis heute fortgeführt, da viele Färinger sich das Recht herausnehmen, Schulen zu jagen, auch wenn es überholt ist. Im Mittelpunkt der Debatte um das Grind steht die Frage, ob Tradition das Töten dieser hochintelligenten und sozial lebenden Tiere rechtfertigen kann.


  • Was passiert an einem konkreten Tag wie dem 4. Mai 2026?

Montag, der 4. Mai, war keine Ausnahme. Die Schule wurde gesichtet und anschließend von den Jägern mit Motorbooten in eine Bucht getrieben, damit sie dort strandet. Dazu ließen sie unter anderem die Motoren laut laufen und machten gezielt Lärm, um die Tiere zu verängstigen und eine Flucht zu verhindern. Delfine, einschließlich der Grindwale, leben in engen sozialen Verbänden und bleiben als familiär verbundene Einheit zusammen. Das erleichtert die Treibjagd und macht sie zugleich besonders folgenreich.

 

Bei diesem Grind wurden über 125 Grindwale und mehrere Atlantische Weißseitendelfine getötet. Nicht eingerechnet sind ungeborene Jungtiere, Kälber und trächtige Weibchen.

 

Eigentlich soll die Tötung der Tiere schnell verlaufen. Da sich jedoch weniger Menschen am Strand befanden, die mit Haken, Seilen, Lanzen und Messern bereitstanden, zog sich der Vorgang über 40 Minuten hin und verlängerte so das Leid der Tiere erheblich. Wie so oft bot sich ein chaotisches Bild: Das Meer färbte sich rot, und die Schreie der Tiere mischten sich mit dem Lärm und dem Lachen der Menschen.

 

Später werden die Tiere zerlegt und das Fleisch an die Gemeindemitglieder verteilt. Der Rest, einschließlich ganzer Tiere, wird auf Lastwagen geladen und entweder von Klippen ins Meer geworfen oder mit einem Boot weit vor die Küste geschleppt und dort entsorgt.

 

Dies ist die Geschichte des Montags, dem 4. Mai – ein ganz gewöhnlicher Tag auf den Färöern, wie es ihn schon unzählige Male gegeben hat.


  • Was tut Sea Shepherd?

Nach vielen Jahren im Einsatz vor Ort kennen wir das Grind bis ins kleinste Detail. Wir kennen die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die Regeln, wiederkehrende Fehler, die starke Bindung an die Tradition sowie die unterschiedlichen Begründungen, die dafür angeführt werden.

 

Aus diesem Grund sind unsere Teams weiterhin vor Ort im Einsatz. Unser Ziel ist es, jeden einzelnen Grind zu dokumentieren – ohne Ausnahme. Kein Tier soll unregistriert bleiben.

 

Nach vielen unterschiedlichen Versuchen, das Grind zu stoppen, und Jahren des Engagements arbeiten wir heute eng mit politischen Entscheidungsträgern und Verbündeten zusammen. Im Europäischen Parlament wurde ein Antrag eingebracht, der ein Ende des Grinds fordert. Auch im britischen Parlament wurde eine sogenannte Early Day Motion gestellt, ein formeller Antrag im House of Commons, um auf ein bestimmtes Thema aufmerksam zu machen. Die Färöer wirken auf der Karte zwar isoliert, sind wirtschaftlich jedoch stark von Importen und Exporten mit ihren Nachbarn abhängig.

 

Für beide Initiativen fordern wir, dass Delfine und Wale denselben Schutz erhalten, der ihnen bereits nach internationalem Recht zusteht. Wir fordern ein vollständiges Verbot der Tötung von Muttertieren und Jungtieren, was in der Praxis einem Ende des Grinds gleichkommt, da sich trächtige Weibchen nicht sicher von Männchen unterscheiden lassen. Zudem fordern wir die Europäische Union und das Vereinigte Königreich auf, ihre Handelsabkommen an die Einhaltung dieser Standards sowie weiterer zentraler Anforderungen zu knüpfen.

 

Dieser Prozess ist zwar langsam, aber er ist der effektivste Weg, den wir haben, um das Grind dauerhaft zu beenden. So soll der 4. Mai 2026 eines Tages Geschichte sein und nicht länger Teil einer wiederkehrenden Routine werden.


  • Gibt es auch andere Perspektiven?

Nicht alle Menschen auf den Färöern befürworten das Grind. Viele äußern sich jedoch nicht, da sie Angst vor Isolation, Anfeindungen und Schikanen haben.


Weitere Informationen:


Sea-Shepherd-Kampagnen auf den Färöern


Bündnis „Stop the Grind”


Kommentar von Valentina Crast, Kampagnenleiterin OPERATION LIVING FJORDS „Färöer: Erster Grind, kaum noch Rechtfertigung“


Aktualisiert am: 15/05/2026

War dieser Beitrag hilfreich?

Teilen Sie Ihr Feedback mit

Stornieren

Danke!