Artikel über: Buckelwal

Wie steht ihr zu dem neuen Rettungsversuch?

Da das Thema komplex ist und uns angesichts zahlreicher kursierender Fehlinformationen eine sachliche Darstellung besonders wichtig ist, beantworten wir diese Frage ausführlicher:


Das Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt hat entschieden, dass eine Privatinitiative den Versuch einer Lebendrettung durchführen darf. Das Ministerium hatte die aktiven Rettungsmaßnahmen zuvor eingestellt, da eine erfolgreiche Lebendrettung als nahezu ausgeschlossen galt. Grundlage dafür war unter anderem das wissenschaftliche Gutachten, das Anfang April vom Ministerium vorgestellt und veröffentlicht wurde. Siehe hierzu die Pressemitteilung des Ministeriums vom 7. April 2026 mit dem Titel „Wal vor Poel: Wissenschaftliches Gutachten schließt Lebendrettung aus“, in der auch Details zum Zustand und zur Transportfähigkeit des Wals erläutert werden.


Mit der Pressemitteilung vom 11. April 2026 wurde zudem das Gutachten unter dem Titel „Ministerium veröffentlicht Gutachten zum Gesundheitszustand des gestrandeten Buckelwals“ veröffentlicht.


An der Bewertung der Situation waren auch das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW), das Deutsche Meeresmuseum (DMM) sowie ein Expertengremium der Internationalen Walfangkommission (IWC) beteiligt. Das Vorgehen wurde von der IWC bestätigt. Auch die Organisation British Divers Marine Life Rescue hat hierzu eine Stellungnahme abgegeben. Basierend auf diesen Fakten sowie unseren eigenen Erfahrungen während unserer Einsätze stimmen wir der Einschätzung zu, dass es derzeit keine realistische Möglichkeit gibt, den Wal ohne zusätzliches Leid und im Einklang mit dem Tierwohl zu retten.


Was den erneuten Rettungsversuch betrifft, stellt sich der Sachverhalt für uns aktuell wie folgt dar:


  • Wir sind an den aktuellen Maßnahmen nicht beteiligt und wurden im Vorfeld nicht eingebunden, weshalb uns keine vertieften Informationen vorliegen.
  • Aktuelle Gutachten oder fachliche bzw. medizinische Untersuchungsergebnisse liegen uns nicht vor.
  • Nach unserem Kenntnisstand lag zum Zeitpunkt der Entscheidung keine neue meeresbiologische oder tiermedizinische Bewertung vor. Zudem wurden weder das ITAW noch das DMM einbezogen.
  • Das Konzept ist uns im Detail nicht bekannt. Inwieweit die Maßnahmen tatsächlich minimalinvasiv sind und ob unnötiges Leiden sowie weitere Verletzungen ausgeschlossen werden, können wir daher nicht beurteilen.


Vor diesem Hintergrund bitten wir um Verständnis, dass uns derzeit keine belastbare Grundlage für eine abschließende Bewertung der Maßnahmen und ihrer Erfolgsaussichten vorliegt. Spekulationen halten wir in diesem Zusammenhang für nicht zielführend. Das Tierwohl stand für uns immer im Vordergrund, daran halten wir unverändert fest. Sollte sich eine realistische Möglichkeit ergeben, den Wal erfolgreich und ohne zusätzliche Belastung zu retten, würden wir dies begrüßen. Maßgeblich für unsere Einschätzung bleiben jedoch die uns derzeit vorliegenden Erkenntnisse.

Aktualisiert am: 16/04/2026

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